GESCHICHTE

Am 22. November 1880 fand in der Kirche von Schmitten die Gründungsfeier des Kreis-Cäcilien-Vereins der deutschen Pfarreien Freiburgs, bestehend aus den Ortsvereinen Freiburg, Schmitten, St. Antoni und Tafers statt. Treibende Kraft für die Gründung dieses Dachverbandes war Johann Baptist Helfer, Kaplan und späterer Pfarrer von Schmitten. Im „engeren Vorstand“ des neu gegründeten Verbands sassen als Präses der Hochwürdige Herr A. Götschmann, Superior des Priesterseminars Freiburg, als Kassier J. Batist Helfer (Schmitten) und als Sekretär J. Humbert Wäber (St. Antoni). Vizepräses war Druckereidirektor J. Brülhart.

Von 1880 bis um die Jahrhundertwende traten die meisten der heutigen 19 Sektionen dem Cäcilienverband bei. Ab 1891 fand in der Regel alle zwei Jahre und ab 1929 alle drei Jahre unter der Leitung des Verbandspräses die stramm militärisch geführte „Generalversammlung“ statt. Für die Beteiligten und die Bevölkerung entwickelte sich das Sängertreffen zu einem stimmungsvollen Volksfest mit Festmesse, Gesangsvorträgen, einem üppigen Festmahl und einem grossen Umzug mit Szenen aus dem Leben der örtlichen Bevölkerung. Da im Cäcilienverband die Wünsche der Organisten, die zumeist auch den Cäcilienchor dirigierten, zu wenig Gehör fanden, gründeten diese 1918 den deutschfreiburgischen Organistenverband. Seit der Verbandsgründung haben die Cäcilianer während gut 80 Jahren unter unbestrittener klerikaler Führung die kirchliche Gesangstradition gepflegt und perfektioniert. Nach dieser langen Periode der Konsolidierung kam es im Zuge des II. Vatikanischen Konzils ab 1965 zu hoffnungsvollen kirchlichen Reformern. Das Konzil machte den Weg frei für den volkssprachigen Chorgesang und den Beitritt der Frauen in den Ortsvereinen. Der Verband gab sich neue Statuten und publizierte das „Vademecum des Cäcilianers“ mit Hinweisen für die Arbeit der Dirigenten und Organisten. Nun sollte alle vier Jahre ein Verbandsfest durchgeführt werden. In dieser Zeit des Aufbruchs – bedingt auch durch die Gründung zahlreicher Gemischter Chöre - wuchs die Zahl der Verbandsmitglieder bis 1980 auf insgesamt 1087 Sängerinnen und Sänger an.

Seither ist die nachkonziliäre Aufbruchstimmung wieder etwas abgeflaut. Religion wurde für viele zu einer Sache individueller Beliebigkeit. In der Region entstanden in den letzten Jahren zahlreiche andere attraktive Chorgruppierungen. Heute können die Cäcilianer das Monopol für gepflegten mehrstimmigen Gesang nicht mehr für sich allein beanspruchen. Diesen Veränderungen hat der Cäcilienverband - angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen - Rechnung getragen. Mit der Durchführung regionaler Verbandsfeste erhielten die Chöre mehr Freiraum bei der Gestaltung der Anlässe (Ort, Zeitpunkt, Auswahl der Kompositionen). Zusätzlich zur Organisation von periodischen Verbandsfesten setzt der Vorstand mit grossem Engagement und Fantasie neue Impulse. Er bietet den Mitgliedschören eine Plattform für gesangliche Fortbildung, Stimmbildungskurse, Themenabende, Animationstage und die Durchführung musikalischer Projekte.

Die sinkende Nachfrage nach kirchlichen Dienstleistungen, der Priestermangel sowie die Schaffung überpfarreilicher Strukturen eröffnen den Kirchenchören neue Perspektiven. Sie können sich auf bestimmte Anlässe und Schwerpunkte konzentrieren, was ihnen Freiraum gibt für die Gestaltung ganz besonderer musikalischer Anlässe.

In diesem Sinne hat der Cäcilienverband mit der Gestaltung der Feier zum 125. Verbandsjubiläum im Jahr 2005 – insbesondere der Aufführung von Carmina Burana - einen beispielhaften Akzent gesetzt. Diese Aufführung geht als grossartiges und nachhaltiges musikalisches Erlebnis in die Annalen der Verbandsgeschichte ein.

Im Festführer zum Verbandsjubiläum im Jahr 2005 wird anhand anschaulicher Beispiele die subtile und schrittweise Veränderung von Werthaltungen und Traditionen, insbesondere im religiösen und kirchlichen Bereich, aufgezeigt.